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Details zu Erweiterungsplänen der Firma 'Thurn' in Neunkirchen

Blick von der Hennefer Straße auf den Eingangsbereich der Firma 'Thurn Produkte'

Vor einer weitreichenden Entscheidung stehen die Mitglieder des Planungs-Ausschusses und des Gemeinderates bezüglich Erweiterungsplänen der Firma 'Thurn Produkte'. Vor einigen Jahren hatte diese das zuvor von den Firmen 'Avon', 'Eckes' und zuletzt 'Eschbach Akzente' genutzte Gewerbegelände an der Hennefer Straße zwischen Neunkirchen und Wolperath erworben und zum Produktions- und Lager-Standort ausgebaut. Zuvor in Much beheimatet, wurden der Firmensitz und verschiedene Betriebsteile nach Neunkirchen verlegt. Der Familienbetrieb stellt Wasch- und Reinigungsmittel her, die überwiegend unter verschiedenen Bezeichnungen über fast alle namhaften Discounter vertrieben werden.

Nun plant die Firma, ihre Aktivitäten zunehmend am Standort Neunkirchen zu bündeln. Zu diesem Zweck seien Ausweitungen der Betriebsstätten notwendig. Um hierfür die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, hat das Unternehmen bei der Gemeinde eine Änderung des gültigen Bebauungsplans beantragt. Bekannt wurden die Pläne im Rahmen der Sitzung des Planungs-Ausschusses vor den Sommerferien. In dieser Sitzung wurden die gewünschten Änderungen des Bebauungsplans sowie eine denkbare Erweiterung der Bebauung des Grundstücks vorgestellt, das von der Hennefer Straße bis zur Hohner Straße und vom Sankt-Franziskus-Weg bis zum Wolperather Weg reicht.

Der bestehende, rund 12 Meter hohe Hallenkomplex des Gewerbegebiets

Die Planungen betreffen nicht nur unmittelbare Nachbarn des Areals in Neunkirchen-Hohn, Wolperath und dem Süden Neunkirchens. Durch die exponierte Lage des Gewerbegebiets auf dem höchsten Punkt südlich von Neunkirchen ist es von weithin sichtbar, so zum Beispiel vom Seelscheider wie auch vom Winterscheider Höhenrücken aus. Dabei ist der bisherige Gebäudekomplex nahezu von allen Seiten gut versteckt, weil er von einem dichten Grüngürtel umringt ist. Dies könnte sich bald ändern, bei einer umfangreichen Erweiterung des Komplexes würden sich die Sichtbeziehungen drastisch ändern.

Bürger, die den dörflichen Charakter und das ländliche Erscheinungsbild Neunkirchens in Gefahr sehen, aber auch Bedenken gegen einen Chemieindustrie-Standort hegen, haben zwischenzeitlich eine Unterschriften-Sammlung gestartet. Inzwischen haben sich mehr als 1.000 Unterzeichner auf den Listen eingetragen, die nun an die Gemeindeverwaltung übergeben wurden.

Blick von der Ohlertstraße in Neunkirchen auf den noch durch Bäume verdeckten Hallenkomplex

Bei dem Thema sind zwei Irrtümer in der öffentlichen Wahrnehmung weitverbreitet. Erstens hätten die Fraktionen des Rates das Vorhaben entgegen anderslautender Behauptungen nicht einfach durchgewunken, wenn es keinen Protest aus der Bevölkerung gegeben hätte. Schon bei der Sitzung des Planungs-Ausschusses im Juni, bei dem die beantragte Bebauungsplan-Änderung von der Firma 'Thurn Produkte' und den Planern vorgestellt wurde, gab es sehr kritische Töne über das Ausmaß des Bauvorhabens.

Seitens der SPD kam seinerzeit die Frage auf, ob dies "das neue Wahrzeichen von Neunkirchen" werden solle. "Wir wollen da keine Wahnsinns-Ausreißer, keine Klötze wie im Bröltal", womit auf das Hochregallager der Firma 'Eckes' nahe Hennef-Bröl angespielt wurde. Seitens der CDU wurde gefordert, die geplanten Höhen der Gebäudeteile genau zu betrachten, die sich durch die hügelige Lage des Grundstücks teils summieren. An den Außenkanten wurden beträchtliche Höhen befürchtet.

Der von der Firma 'Thurn' beauftragte Planer pries das Bauvorhaben mit den Worten "Hier ist eine Firma Thurn, die bietet Ihnen eine komplette Bebauungsplanung an." Es handele sich um einen sehr günstigen Standort für das Betriebsgelände mit Verwaltungs-, Produktions- und Lagerstätten, das noch umfangreiche freie Flächen für Erweiterungen biete. Mit der Änderung des Bebauungsplans würde eine "Harmonisierung von Festsetzungen" erreicht.

Rückfragen aus dem Ausschuß wurden nicht immer zufriedenstellend beantwortet. Dennoch wurde aus den Fraktionen Verständnis für den Wunsch des Investors geäußert, daß dieser wissen wolle, was er hier umsetzen könne. Man zeigte sich froh, daß die Firma Thurn sich vor Ort engagieren will. Die Offenlage der Bebauungsplan-Änderung wurde schließlich einstimmig beschlossen, weil dadurch allein noch keine Festlegungen erfolgen würden. Man kündigte an, im späteren Verfahren noch Änderungen bezüglich der Ausmaße oder Höhen vornehmen zu wollen.

Das zweite Mißverständnis besteht darin, daß sich nichts am derzeitigen Zustand des Gewerbegebietes verändern würde, wenn die Politik eine Änderung des Bebauungsplanes ablehnen würde. Denn schon nach dem derzeit geltenden Bebauungsplan sind erhebliche Erweiterungen der Bebauung des Areals statthaft. Auch nach dem geltenden Baurecht können Hallen bis weit über den heutigen Grüngürtel um das bestehende Gebäude hinaus errichtet werden - bis nahe an die Hennefer Straße, die B 507, die Hohner Straße und den Wolperather Weg heran.

Der Unterschied zur nun beantragten Bebauungsplan-Änderung liegt darin, daß bislang nur Baufenster für einzelne, freistehende Hallen ausgewiesen sind, während der neue Bebauungsplan einen durchgehenden Baukörper über das gesamte Areal hinweg erlauben würde. Grund für die kleinteiligere Aufsplittung im aktuellen Bebauungsplan von 2007 war die Intension, mehrere Betriebe in dem Gewerbegebiet anzusiedeln, nachdem die Firma 'Eschbach Akzente' das Gelände aufgegeben hatte. Auch die zulässigen Höhen sowie die Abstände zu den Grundstücksgrenzen weichen in den beiden Bebauungsplänen teils stark voneinander ab (beide Bebauungspläne sind am Seitenfuß abgebildet).

Ansicht des Gewerbegebiets aus Richtung Hohn entlang des Wolperather Wegs

In der öffentlichen Diskussion steht zumeist der 25 Meter hohe "Pulverturm" im Mittelpunkt, der inmitten des Geländes - neben dem Bestandsgebäude - entstehen soll. Trotz seiner Länge von bis zu 110 Metern (Breite bis zu 18 Meter) dürfte er optisch keine Dominanz entwickeln, weil er hinter der umgebenden Bebauung zurücktreten würde. Er würde eine im Süden benachbarte Halle nämlich nur um fünf Meter, das Bestandsgebäude im Norden um zehn Meter überragen. Das Bild der Firmengeländes würde vielmehr von den rings um das bestehende Gebäude geplanten Hallen bestimmt.

Deren ununterbrochene Fassade dürfte zum Beispiel entlang des Wolperather Wegs mehr als 400 Meter lang werden. Durch die Hanglage wären an den Außenkanten Fassadenhöhen von bis zu rund 31 Metern zulässig. Niedrigster Punkt an dieser Seite ist die zum Ortsteil Hohn gerichtete Ecke. Diese dürfte dort eine 25 Meter hohe Fassade aufweisen, die aus der Fernsicht von dem angesprochenen "Pulverturm" um weitere 12 Meter überragt wird. Aus der Ferne betrachtet würde der Komplex also ein Höhenausmaß von bis zu 37 Meter aufweisen.

Neubauten des Werks könnten zukünftig bis an die B 507 heranreichen

Ähnliches gilt für die Ansicht von der Nordseite, sprich von Neunkirchen aus. Durch den beabsichtigten Zukauf eines Grundstücks an der B 507 gegenüber der 'Aquarena' entstünde ein ebenso hohes Sichtprofil. Die Außenfassade, die bis auf rund 15 Meter an die Bundesstraße heranrücken dürfte, könnte eine Höhe von bis zu 26 Metern erhalten. Auch diese würde im Hintergrund vom "Pulverturm" um 10 Meter überragt, womit sich die Gesamthöhe der Firmengebäude optisch auf 36 Meter summiert - und dies in der Sichtachse zahlreicher Wohnhäuser auf der Südseite des Wohngebiets 'Immenthal'.

Nochmals muß betont werden, daß Gebäude ähnlicher Höhen - mit Ausnahme des "Pulverturms" - auch nach dem derzeit gültigen Bebauungsplan bereits zulässig sind. Allerdings sind die Abstände der Baufenster von den rundum befindlichen Straßen zumeist deutlich größer - im Falle der B 507 wären dies mehr als 55 Meter Abstand, nach der beantragten Änderung weniger als 15 Meter. Entlang der Hohner Straße würde sich der Mindestabstand von rund 25 Metern auf nur noch rund zehn Meter reduzieren. Am Wolperather Weg sieht der geltende Bebauungsplan Abstände von im Westen und Süden des Grundstücks von rund 25 Metern, im mittleren Bereich von rund zehn Metern vor. Nach einer Planänderung könnte der über 400 Meter lange Baukörper durchgehend bis auf nur rund acht Meter an den Wolperather Weg heranrücken. Entlang der Hennefer Straße würden sich die zulässigen Abstände von rund 30 Metern auf weniger als zehn Meter verringern.

Auch bis nah an die Hohner Straße heran könnten zukünftig Hallen entstehen

Die Planer der Firma Thurn hatten dem Ausschuß im Juni Visualisierungen einer denkbaren zukünftigen Bebauung vorgelegt, welche Ansichten von allen Seiten zeigen. Diese Darstellungen zeigen möglicherweise die geplanten Ausmaße der Gebäude, spiegeln aber eindeutig nicht die rechtlich dann zulässigen Ausmaße wider. Diese würden bezüglich der Abstände von den Außengrenzen und Straßen erheblich weiter als dargestellt reichen. Auch das Landschaftsprofil ist nicht korrekt wiedergegeben, weshalb die Ansichten nicht die realen Verhältnisse darstellen. Nachbarbebauung am 'Sankt-Franziskus-Weg' wurde zugunsten einer dargestellten Grünfläche weggelassen. Vor den hohen Außenfassaden picknickende Personen lockerten die Darstellung zusätzlich unrealistisch auf.

Am gestrigen Dienstag (01.09.) entschied der von Protesten von Bürgern begleitete Planungs-Ausschuß der Gemeinde, vor weiteren Entscheidungen zu einer Bürgerinformations-Veranstaltung einzuladen. Hierbei wurden nicht nur die Ausmaße der möglichen Bebauung, sondern zum Beispiel auch Gesundheits-Belastungen und Wertverluste von Wohneigentum im Umfeld thematisiert. (cs)

 

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01. September 2015,
erweitert am
02. September 2015

Der derzeit gültige Bebauungsplan von 2007, links die Hennefer Straße, oben die Bundesstraße 507, rechts die Hohner Straße, unten der Wolperather Weg - blau eingefaßt sind die einzelnen Baufenster innerhalb des durch Straßen gegliederten Gewerbegebiets - (Planung und Zeichnung : 'Planungsgruppe MWM' / Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid)
Der Bebauungsplan gemäß den von der Firma 'Thurn' beantragten Änderungen - innerhalb des Gewerbegebiets ist ein einziges großes Baufenster vorgesehen, hier wiederum blau eingefaßt - (Planung und Zeichnung : 'Planungsgruppe MWM' / Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid)

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