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- Der "Berghüpfer" geht als Erfolgsmodell nach drei Jahren ins Regelangebot der 'RSVG' über
Der 'Berghüpfer' bleibt, 'Rhesi' mit eingeschränktem Service
Auf drei Jahre war der Verkehrsversuch angelegt, der im August 2021 mit der Einführung der neuen "Berghüpfer"-Buslinie 576 von Neunkirchen über Seelscheid nach Much und Marienfeld sowie dem On-Demand-Kleinbus "Rhesi" als Modellprojekt aufgelegt wurde. Das Land NRW hatte dem Rhein-Sieg-Kreis - als eines von 15 Vorhaben im Land - zur Durchführung des auf drei Jahre befristeten Projektes 1,48 Millionen Euro aus dem Landeswettbewerb "Mobil.NRW - Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum" zur Verfügung gestellt, knapp 500.000 Euro steuerte der Rhein-Sieg-Kreis selber bei.
Von Beginn an war es ein Test, ein Wettbewerb, welches Konzept besser angenommen wird. "Neunkirchen-Seelscheid - on demand versus Ortsbus" hieß das Modellprojekt folgerichtig. Nach drei Jahren ist der Versuch nun im Sommer ausgelaufen, die Finanzierung wurde aber um vier Monate bis zum Jahresende verlängert. Ohne die Fördermittel ist zum kommenden Jahr eine Neuausrichtung der beiden Nahverkehrs-Angebote notwendig.
Beide Verkehrsmittel wurden gut angenommen, so die Kreisverwaltung in ihrer Auswertung, die vor kurzem vorgestellt wurde. Die höhere Auslastung und die deutlich geringeren Kosten pro Fahrgast hat aber die "Berghüpfer"-Linie. Schon nach einem Betriebsjahr konnte die von zwei sogenannten Minibussen befahrene Linie bis zu 400 Fahrgäste täglich und mehr als 12.000 im Monat verzeichnen, zwei Drittel davon im Gemeindegebiet von Neunkirchen-Seelscheid.
Sie soll deshalb beibehalten und in die reguläre Finanzierung des ÖPNV über die Umlage des Kreises übergeführt werden. Die beliebte Linie mit der Nummer 576, die neben den Hauptorten Neunkirchen und Seelscheid sowie Much und Marienfeld auch zahlreiche weitere Ortschaften wie Nieder- und Oberwennerscheid, Hausermühle, Eich, Oberdorst und Nackhausen sowie auf Mucher Seite Weißenportz, Eigen, Hetzenholz, Hevinghausen, Siefen, Bövingen und Wersch anbindet, bleibt also in der heutigen Form erhalten.
Die Bilanz des 'Rhesi'-Kleinbusses kann da nicht heranreichen. Insbesondere der Vergleich der Betriebskosten fällt deutlich aus - die Kreisverwaltung veröffentlichte die Zahlen für das erste Betriebsjahr : Ein Minibus "Berghüpfer" beförderte 125.000 Fahrgäste. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, wurden davon nur die 65 Prozent berücksichtigt, die auf das Gemeindegebiet von Neunkirchen-Seelscheid entfielen, das heißt rund 80.000. Dem standen Nettokosten von 360.000 Euro gegenüber, somit 4,50 Euro pro Fahrgast.

- Der "Rhesi"-Kleinbus in der markanten Folierung
Den On-Demand-Verkehr des "Rhesi"-Kleinbusses nutzten 15.000 Personen jährlich. Bei Nettokosten von 180.000 bis 200.000 Euro entspricht dies über 12 Euro pro Fahrgast. Somit verursachte 'Rhesi' zwar nur rund die Hälfte der Kosten eines "Berghüpfer"-Busses, beförderte dafür aber nur ein Fünftel der Fahrgäste. Pro beförderter Person entstand also ungefähr das Zweieinhalbfache an Kosten.
Bei einer bislang nicht gegebenen "optimalen Flächenerschließung" und guten Verfügbarkeit des "Rhesi"-Angebots mit bis zu 2,5 Fahrzeugen würden die Kosten auf bis zu 500.000 Euro jährlich anwachsen. Die finanziellen Rahmenbedingungen, so die Kreisverwaltung, würden aktuell keine Weiterführung dieses On-Demand-Verkehrs in Neunkirchen-Seelscheid ermöglichen, darüber hinaus keine Ausweitung des Angebots auf das Kreisgebiet. In seiner heutigen Form beendet der Kreis dieses System folglich.
Dennoch soll auch das "Rhesi"-Angebot eine Fortsetzung finden. Mit 1.000 Fahrten und rund 1.300 Fahrgästen pro Monat sei es deutlich besser angenommen worden als das Vorgänger-Modell "Anruf-Sammel-Taxi" (AST), das auf nur 3.000 Fahrgäste pro Jahr kam. Eine Wiederinbetriebnahme des "AST"-Verkehrs nach Auslaufen der "Rhesi"-Projektförderung sei daher "kein gangbarer Weg".

- "Rhesi"-Nutzer/innen forderten auf Aushängen die Beibehaltung des Services
Allerdings wird "Rhesi 2.0" mit einem geringeren Service als aus den letzten Jahren gewohnt aufwarten. Das ist das Ergebnis der wegen der hoher Nachfrage unbefriedigenden Verfügbarkeit des Fahrzeugs und der hohen Kosten pro Fahrgast, den der Service in der Vergangenheit verursachte. Die durchschnittliche Auslastung von nur 1,3 Fahrgästen pro Fahrt soll durch verschiedene Maßnahmen gesteigert werden.
Fahrten "kreuz und quer durch das Gemeindegebiet" sind künftig nicht mehr möglich, dieses wird in zwei "Bediengebiete" aufgeteilt. Fahrten können nur jeweils innerhalb eines dieser beiden "Bediengebiete" westlich oder östlich des Wahnbachs durchgeführt werden. Zudem soll "Rhesi" auf festen Routen nach einem geregelten Zeitschema fahren, ohne daß ein Fahrplan veröffentlicht wird. Kurzfristige Spontanfahrten seien nicht möglich, die Wartezeit zwischen Buchung und Abholung liege zwischen 30 und 60 Minuten. Damit würden aber die Anschlüsse an andere Angebote des ÖPNV (Buslinien 576, 577, 578 und SB56) optimiert.

- Kombinierte Haltestelle der "Berghüpfer"-Linie 576 und des "Rhesi"-Kleinbusses
Die Betriebszeiten (werktags 6 bis 22 Uhr, freitags bis 1 Uhr, samstags 7 bis 1 Uhr, sonn- und feiertags 8 bis 22 Uhr) und auch die Haltestellen - inclusive der mit Bodenaufklebern gekennzeichneten virtuellen Haltepunkte - bleiben dabei unverändert. Als zentrale Knotenpunkte werden das Seelscheider Ortszentrum beziehungsweise der 'Antoniusplatz' (Busbahnhof) in Neunkirchen dienen. Für einen Wechsel zwischen den Gemeindehälften muss man allerdings auf die "Berghüpfer"-Linie 576 umsteigen. Auch der Bürgerbus stellt hier eine Alternative dar, er verbindet weiterhin zahlreiche Ziele beider Gemeindeteile.
Durch diese räumliche Begrenzung des "Rhesi"-Verkehrs entfallen zeitraubende Einzelfahrten, die das bislang einzige Fahrzeug lange binden - einer der Gründe für die oftmals mangelnde Verfügbarkeit bei Fahrtwünschen. Bislang konnten nur 15 Prozent der Fahrtanfragen befriedigt werden. Die Bündelung von Anfragen soll diesen Wert zukünftig auf 30 Prozent steigern, auch wenn die oder der Einzelne dann auf der Fahrt kleinere Umwege in Kauf nehmen müsse.
Zur besseren Verfügbarkeit soll auch beitragen, daß künftig (mindestens) zwei Fahrzeuge eingesetzt werden - darunter auch solche ohne spezifische "Rhesi"-Beschriftung. Dies ermöglicht dem nach neuer Ausschreibung beauftragten Taxi-Unternehmen mehr Flexibilität, Fahrzeuge sowohl für den "Rhesi"-Verkehr als auch für reguläre Taxi-Fahrten einzusetzen, um die Effektivität zu steigern.
Auch bestehende "Rhesi"-Kunden müssen sich ab dem 1. Januar 2025 neu registrieren, weil die Buchungs-Plattform gewechselt wird. Statt des bisherigen Anbieters 'ioki' wird künftig eine neuentwickelte Mobilitäts-Plattform der 'RVK' (Regional-Verkehr Köln) genutzt. Die neue App "Rhesi 2.0" kann wie üblich über den "App Store" (Apple) oder über "Google Play" (Android) heruntergeladen werden.
Ein Kritikpunkt bleibt somit : Weiterhin wird das "Rhesi"-Angebot nicht telefonisch, sondern nur über eine App gebucht werden können, was Teile der Bevölkerung mit geringer Technik-Affinität abschreckt. Fahrtstrecken, für die eine ÖPNV-Alternative besteht, können übrigens nicht mehr eingebucht werden. Und die ersten Tage des neuen Jahres müssen die Nutzer/innen gänzlich auf das "Rhesi"-Angebot verzichten - es wird nach einer Pause erst am 6. Januar 2025 wiederaufgenommen. (cs)

- Gleicht nicht nur optisch dem "Berghüpfer" : Seit Herbst 2023 verkehrt ein vergleichbarer Minibus namens "Siegtalhüpfer" zwischen Hennef und Stadt Blankenberg











